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 Bücher von Peter Prange

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BeitragThema: Bücher von Peter Prange   Sa März 08, 2008 5:11 pm

Peter Prange ist in meinen Augen einer der genialsten Geschichts-Historischen Schriftsteller.
Er verbindet Fakten mit Fiktionen, so wie in meiner Ersten Empfehlung.
Dort wird die Geschichte von Denis Diderot aus der sicht eine Fiktiven Person (sie entstand aus einer Erwähnung in einem Brief von Diderot).

Diderot erschuf die jetzige Fassung (beziehungsweise die Urfassung) der Enzyklopedi sowie sein Gedichtsmeisterwerk "Das Kleinod" was rein dem Weiblichen Geschlechtsteilen gewittmet ist), einige andere Werke sind auch aus seiner Feder entsprungen.

Hier ein Paar einblicke aus zwei Büchern die sich in meinem Besitz befinden.
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BeitragThema: die Philosophin   Sa März 08, 2008 5:12 pm

Empfehlung 1: Die Philosophin (Mein Absolutes Lieblingsbuch)
Wir schreiben das Jahr 1740. Madeleine Volland lebt mit ihrer elfjährigen Tochter Sophie im Kirchspiel Beaulieu an der Loire. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Näherin im nahen Schloss des Barons de Laterre. Verheiratet ist sie nicht: Sophie ist das Kind des vor drei Jahren in der Ferne verstorbenen Hausierers Dorval, der jedes Jahr an Kirchweih vorbeigekommen war.

Weil Sophie heute zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen soll, muss sie nüchtern bleiben und fühlt sich etwas flau im Magen. Madeleine flöst ihr einen Löffel Kräutermedizin ein. Auf dem Weg redet Sophie solange auf ihre Mutter ein, bis diese verspricht, mit ihr nach vorne zum Altar zu gehen, obwohl sie von Abbé Morel wegen des unehelichen Kindes von den Sakramenten ausgeschlossen worden ist. Der Dorfgeistliche zuckt zunächst zurück, legt Madeleine dann aber doch die Hostie auf die Zunge. Sophie freut sich darüber, doch als Abbé Morel ihr die Hostie reicht, verkrampft sich ihr Magen; sie übergibt sich und spuckt die Hostie aus.

Ein Jurist aus Paris, der zu Besuch auf dem Schloss des Barons de Laterre ist, zeigt Madeleine Volland wegen schwarzer Magie und Giftmischerei an. Der Edelmann hatte sie auf dem Schloss gesehen und ihr den Hof gemacht, war aber von ihr zurückgewiesen worden. Nun rächt er sich: Bei der Gerichtsverhandlung in Roanne sagt er aus, Madeleine Volland habe ihr Kind mit einem Gifttrank verhext und verweist auf ein königliches Edikt von 1682, das "alle Taten von Magie oder Aberglauben" unter Strafe stellt. Baron de Laterre überwirft sich mit dem Edelmann und eilt nach Paris, um seine Näherin zu retten. Mit einer Verfügung des Parlamentspräsidenten, die Vollstreckung des Urteils aufzuschieben, kehrt er zurück. Doch er kommt um wenige Stunden zu spät: Madeleine Volland wurde bereits erhängt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Auf gerichtliche Anordnung hin musste Sophie dabei zusehen.

Baron de Laterre nimmt die Waise bei sich auf, aber nach der Menarche kann er sie nicht länger im Schloss behalten. Abbé Morel bringt Sophie in ein Kloster.

Einige Jahre später verlässt Sophie das Kloster. 1745 schlägt sie sich nach Paris durch und findet dort eine Anstellung als Kellnerin im Café "Procope", einem Treffpunkt von Intellektuellen, in dem zum Beispiel Denis Diderot, Jean le Rond d'Alembert und Jean-Jacques Rousseau verkehren.

Diderot redete mit solcher Begeisterung, dass er weder das Kneifen seines engen grauen Rocks noch das Kratzen seiner schwarzen Wollstrümpfe spürte. In seinem Leben gab es zwei Leidenschaften: die Frauen und die Literatur, und wenn er mit einer von beiden beschäftigt war, existierte nichts anderes für ihn auf dieser Welt – weder die Geldnot, die ihn wie sein eigener Schatten verfolgte, sodass er oft nicht wusste, wovon er das nächste Tintenfass oder die nächste Tasse Schokolade bezahlen sollte, noch die Spitzel der Polizei, die sich im Café "Procope" eingenistet hatten wie Flöhe in einer alten Perücke. (Seite 58 )

In einer Ecke des Café "Procope" sitzt regelmäßig der Polizeioffizier Antoine Sartine, dessen Aufgabe es ist, die Philosophen in den Kaffeehäusern von Paris zu bespitzeln. 1747 belauscht er den Verleger Le Bréton, der Diderot zu überreden versucht, die 1728 unter dem Titel "Cyclopaedia or An Universal Dictionary of Arts and Sciences" veröffentlichten zwei Bände von Ephraim Chambers aus dem Englischen zu übersetzen. Der schlägt das Angebot aus und unterbreitet Le Bréton einen Gegenvorschlag:

"Nein, statt den Chambers zu übersetzen, sollten wir etwas völlig Neues wagen. Das Wissen eines einzelnen Menschen in einem Buch zu versammeln ist nicht genug – wir müssen das Wissen der ganzen Menschheit zusammentragen in einer wirklich vollständigen Enzyklopädie der Wissenschaften, Künste und Handwerke, die alle Zweige möglicher Erkenntnis umfasst. [...] Dutzende, Hunderte von Autoren, die besten Köpfe Frankreichs [...] Gemeinsam werden sie ein Buch schreiben, das die Welt aus den Angeln hebt, aufräumt mit dem Aberglauben und den Vorurteilen, die so viel Unglück über die Menschheit gebracht haben. Ein Buch, das nicht nur das Leben abbildet, wie es ist, sondern zeigt, wie es sein kann und sein soll. Ein Buch wie das Buch der Bücher, ein Buch wie die Bibel, ein wirklich neues Testament für eine neue Zeit!" (Seite 63f)

Le Bréton wittert ein gutes Geschäft. Diderot und d'Alembert fungieren als Herausgeber, sammeln Ideen und Themen für die Artikel.

Als der knapp vierzigjährige polnische Jesuit Radominsky, der als Beichtvater der ebenfalls aus Polen stammenden Königin Maria Leszczynska nach Versailles kam, von dem Vorhaben erfährt, ist er alarmiert.

Ausgestattet mit weitgehenden Vollmachten der Kurie, sollte er seinen Einfluss am Hof von Versailles zu einem einzigen Zweck nutzen: dass in der Hauptstadt des französischen Königreiches Gottes Wille geschehe, zumindest aber der Wille des Papstes. (Seite 74f)

Wenn die Enzyklopädie all die zerstrittenen Geister in Paris, die im Namen der Vernunft Zwietracht und Zweifel säten, zu einer geschlossenen Kampftruppe wider den Glauben einte, konnte das geplante Wörterbuch Kirche und Staat in eine ähnlich schwere Krise stürzen wie zwei Jahrhunderte zuvor der Teufel Martin Luther mit seiner verdammten Reformation. Wissen war Macht, und wer den Menschen Wissen gab, verlieh ihnen Macht über das eigene Leben. Damit würde das Gesetz Gottes außer Kraft gesetzt und zugleich alles, was auf Erden von seiner himmlischen Allmacht zeugte: die Vorherrschaft der katholischen Kirche, das Gottesgnadentum des Königs, die ewige Ordnung der Dinge. (Seite 79)

"Bildung ist ein Segen für einige wenige Auserwählte, für das Volk ist sie Gift – je mehr es weiß, desto größer werden seine Zweifel. Wenn wir, die Vertreter der Kirche und des Staats, zulassen, dass die Philosophen ihre von Gott verdammten Lehren ausstreuen, betreiben wir unseren eigenen Untergang." (Seite 184f)

Radominsky spricht mit der Marquise de Pompadour, der offiziellen Mätresse des Königs, über einen geeigneten Kandidaten für das Amt des Direktors der Hofbibliothek und obersten Zensors von Frankreich. Sie einigen sich auf Chrétien de Malesherbes de Lamoignon, den Sohn des Kanzlers.

Immer wieder versucht Denis Diderot, mit der hübschen Kellnerin im Café "Procope" zu flirten, aber Sophie geht nicht darauf ein. In seiner Verliebtheit verfasst er ein orientalisches Märchen, eine Liebesgeschichte mit dem Titel "Die Prinzessin Mirzoza und der Sultan Mongagul". Versehentlich lässt er das Manuskript auf einem Tisch im Café liegen, und als alle Gäste gegangen sind, beginnt Sophie darin zu lesen. Diderot kommt zurück und ist überrascht, dass das einfache Mädchen schreiben und lesen kann. Zusammen gehen sie durch die Straßen. Als er Sophie küsst, werden sie von einer keifenden Frau gestört. Zunächst nimmt Sophie an, es handele sich um Diderots Mätresse Madame de Puisieux, aber es ist seine Ehefrau Nanette. Sophie, die nicht wusste, dass er verheiratet ist, wirft ihm enttäuscht das Manuskript vor die Füße und läuft fort.

Kurze Zeit später nimmt sie den Heiratsantrag Antoine Sartines an. Weil der Polizeioffizier weiß, dass eine Ehefrau zu einer geordneten Laufbahn gehört, beschloss er, die sympathische Kellnerin im Café "Procope" zu fragen, ob sie seine Frau werden wolle. Angstvoll wartet Sophie in der Hochzeitsnacht, was auf sie zukommt, doch ihr Mann berührt sie nicht. Erleichtert erzählt Sophie ihm ihre Geschichte. Sartine meint, er könne möglicherweise den Unbekannten ausfindig machen, der ihre Mutter auf den Scheiterhaufen gebracht hatte, denn von dem Gerichtsverfahren müssten noch Akten existieren. Zwar sorgt er liebevoll für sie, aber er scheut sich, mit ihr allein zu sein, nimmt wohl aus diesem Grund sonntags einen Kostesser auf und versucht nie, die Ehe zu vollziehen. (Später begreift Sophie, dass er impotent ist.)

Wütend über Sophies Verhalten zerreißt Diderot das Manuskript "Die Prinzessin Mirzoza und der Sultan Mongagul" und schreibt stattdessen ein anderes Märchen über die beiden orientalischen Märchenfiguren: "Die geschwätzigen Kleinode".

Zwei Jahre später entdeckt Sophie auf einer Kommode das Buch, in dem ihr Mann seit einiger Zeit ständig blättert. Der Titel lautet "Die geschwätzigen Kleinode". Neugierig schlägt sie die erste Seite auf. Entsetzt merkt sie, dass das Märchen zwar von Sultan Mongagul und Prinzessin Mirzoza handelt, aber keine Liebesgeschichte ist. Mongagul erhält von dem Zauberer Cucufa einen Wunderring, mit dem er die "Kleinode" der Frauen zum Sprechen bringen kann. Weiter kommt Sophie nicht: Sie wird von ihrem Mann ertappt, der ebenfalls nicht ahnte, dass sie lesen kann. Verwirrt über die Veränderung des Märchens stammelt sie: "Die Geschichte gehört mir. Er hat sie mir doch geschenkt ..." Da ist es für Sartine ein Leichtes, von ihr auch den Namen des Autors dieses schweinischen Buches zu erfahren, nach dem er schon lange gefahndet hat. Wegen Verbreitung sittengefährdender Schriften wird Diderot am 24. Juli 1749 verhaftet.

In Beaulieu lässt Sartine sich von Abbé Morel die Akten über das Gerichtsverfahren gegen Madeleine Volland im Jahr 1740 vorlegen. Erschrocken stellt er fest, um wen es sich bei dem Belastungszeugen handelte. Wieder in Paris, lügt er seiner Frau vor, das Kirchenarchiv sei abgebrannt und seine Reise deshalb vergeblich gewesen.

Während seiner Abwesenheit erfuhr Sophie, dass Denis Diderot wegen eines unzüchtigen Buches eingesperrt wurde. Zur Rede gestellt, gibt Sartine zu, die Verhaftung veranlasst zu haben. Sophie ist entsetzt, denn sie selbst nannte ihm den Namen des Autors. Es kommt zu einem heftigen Streit. Als Sartine seine Frau verdächtigt, mit Diderot herumgehurt zu haben, verlässt sie ihn.

Rousseau besucht seinen Freund Diderot im Gefängnis und erzählt ihm, er wolle sich an einem Aufsatzwettbewerb der Académie Dijon beteiligen. Thema sei die Frage, ob der Fortschritt der Wissenschaften und Künste zur Verderbnis oder zur Läuterung der Sitten beigetragen habe. Natürlich werde er im Sinne des Fortschritts schreiben. Darauf entgegnet Diderot: "Jeder Esel, der sich an dem Wettbewerb beteiligt, wird in die Fanfare des Fortschritts stoßen. Wo ist da der Witz? Wenn du den Preis gewinnen willst, musst du eine Partei ergreifen, die sonst keiner einnimmt." Und er formuliert die These: "Wirklicher Fortschritt ist nichts anderes als die Wiederherstellung der Dinge in ihrem Naturzustand."

Um nicht länger eingesperrt zu bleiben, unterschreibt Diderot ein Geständnis und verspricht zukünftiges Wohlverhalten. Am 3. November 1749 wird er entlassen. Er trennt sich von Madame de Puisieux, bleibt zwar bei seiner Frau, trifft sich von nun an aber täglich mit Sophie, die ihre Anstellung im Café "Procope" aufgibt, um als Zofe im Haus von François-Abel Poisson zu arbeiten. Der Bruder der Marquise de Pompadour ist Generalinspektor für das Bauwesen und die Künste in Paris. In ihrer Freizeit hilft Sophie ihrem Liebhaber bei der Herausgabe der Enzyklopädie, kopiert Manuskripte, korrigiert Druckfahnen, exzerpiert wissenschaftliche Werke und schreibt schließlich selbst Artikel – natürlich unter männlichen Pseudonymen. Den Aberglauben ihrer Kindheit hat sie überwunden. Die Subskription für die geplante Enzyklopädie verläuft so erfolgreich, dass Le Bréton die Auflage erhöht. Am 28. Juni 1751 beginnt die Auslieferung des ersten Bandes der "Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, par une société des gens de lettres". Rousseau ärgert sich, weil Diderot und d'Alembert ihn nicht das Vorwort schreiben ließen.

Statt des albernen Fortschrittswahns, der nun darin gepriesen wurde, hätte er der Menschheit die Wahrheit verkündet: dass alles, was die Gesellschaft je hervorgebracht hatte, nun gegen die Natur missbraucht wurde. (Seite 243)

Einem Beitrag von Abbé de Prades fügt Sophie einen Satz hinzu: "Die Wunder der Bibel können nur historische Wahrheit beanspruchen; selbst die wundersamen Heilungen Jesu Christi haben keine wirkliche Wunderkraft [...]" Obwohl Diderot die Gefährlichkeit einer solchen Aussage erkennt, akzeptiert er die redaktionelle Änderung. Antoine Sartine, der inzwischen Sekretär des Generalleutnants geworden ist, durchschaut das System der Enzyklopädisten: Artikel mit verdächtigen Titeln geben unanfechtbare Lehrmeinungen wieder, harmlos aussehende Beiträge, zu denen die Leser durch ein ausgeklügeltes Verweissystem geleitet werden, beinhalten dagegen revolutionäre Thesen. Als er in dem am 1. Januar 1752 veröffentlichten zweiten Band der Enzyklopädie den Artikel mit der Verleugnung von Wundern entdeckt, erinnert er sich daran, dass de Prades bereits in seiner Dissertation den christlichen Glauben verunglimpft hatte. Das war nur nicht aufgefallen, weil die Professoren an der theologischen Fakultät der Sorbonne die Arbeit nicht gelesen hatten. Aufgrund des neuen Artikels erreicht Sartine, dass die Sorbonne de Prades den Doktortitel aberkennt. Die Jesuiten verbreiten das Gerücht, dass der Autor zu einer groß angelegten Verschwörung gehöre. Der Erzbischof von Paris verdammt am 29. Januar die Enzyklopädie und lässt Plakate anschlagen, auf denen die Wunder Jesu ausdrücklich bestätigt werden. Um das Geschäft zu retten, lässt Le Bréton sich beim obersten Zensor melden, aber der empfängt ihn nicht. Stattdessen erlässt er am 7. Februar eine Ratsverfügung über das Verbot der Enzyklopädie. Heimlich setzt Malesherbes sich jedoch für die Enzyklopädie ein: Weil er Diderot am 25. Februar vor einer von ihm selbst angeordneten Hausdurchsuchung warnt, kann dieser alles belastende Material beseitigen, bevor einige Stunden später Antoine Sartine bei ihm erscheint.

Als die Marquise de Pompadour wieder einmal ihren Bruder besucht, bittet Sophie die königliche Mätresse, sich für eine Aufhebung des Verbots einzusetzen. Inspiriert von Diderots orientalischem Märchen "Die geschwätzigen Kleinode" hat die Pompadour inzwischen im Versailler Hirschpark ein kleines Bordell exklusiv für den König eingerichtet. Als Gegenleistung für ihre Unterstützung verlangt sie von Sophie, in den Pavillon zu ziehen, doch dazu ist diese aus Liebe zu Diderot nicht bereit. Gerührt beschließt die Pompadour, sich dennoch für die Enzyklopädie zu verwenden und wartet auf eine Gelegenheit dazu. Die ergibt sich bei einem Souper in Versailles, als der König erzählt, er sei von einem Jagdausflug erschöpft und enttäuscht, weil seine Büchse Ladehemmung hatte, gerade als er einen kapitalen Zwölfender hätte erlegen können. "Da benutze ich täglich ein Gewehr", fährt er fort, "ohne wirklich zu wissen, wie es funktioniert." Niemand am Tisch kann es ihm erklären. Die Marquise de Pompadour antwortet: "Was wollen Sie, Sire? Ist es mit dem Puder, den wir Frauen täglich gebrauchen, etwa anders? Auch wir sind ahnungslos, wie er sich zusammensetzt und seine Wirkung entfaltet." Nach einer Weile meint sie: "Wie nützlich wäre es doch, wenn man solche Dinge irgendwo nachschlagen könnte." Auf ein Zeichen von ihr werden die beiden Bände der Enzyklopädie hereingebracht, und Ludwig XV. stellt fest, dass sich die gestellten Fragen mit Hilfe der Bücher beantworten lassen. Daraufhin sorgt er dafür, dass die weiteren Bände der Enzyklopädie vorbereitet werden können.

Trotz des glimpflichen Ausgangs lehnt Diderot eine weitere Mitarbeit seiner Geliebten an dem Projekt ab. Darüber kommt es zwischen ihm und Sophie zum Streit. Als er ihr gesteht, die Enzyklopädie sei ihm wichtiger als alles andere auf der Welt, verschweigt sie ihm, dass sie schwanger ist und verlässt ihn.

Als Vorleserin der Maitresse en titre kommt sie 1754 mit ihrem kleinen Sohn Dorval an den Hof von Versailles. Diderots Briefe schickt sie ungeöffnet zurück. Er fährt zwar fort, ihr weiterhin täglich zu schreiben – aber er schickt die Briefe nicht mehr ab.
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BeitragThema: Die Philosophin Part 2   Sa März 08, 2008 5:13 pm

Am 5. Januar 1757 wird Ludwig XV. bei einem Anschlag mit einem Messer leicht verletzt. Sartine, der inzwischen Untersuchungskommissar geworden ist, leitet die Ermittlungen gegen den Attentäter Robert Damiens, bei dem es sich um einen früheren Leibdiener Monsieur Poissons handelt, der vor Jahren verschwunden war und damals offenbar nicht nur Tafelsilber, sondern auch einen von Sophie entliehenen Band der Enzyklopädie gestohlen hatte. Das gibt Sartine die Möglichkeit, einen Zusammenhang zwischen der Enzyklopädie und der Tat herzustellen und erneut auf die Gefährlichkeit der Veröffentlichung hinzuweisen. Um die öffentliche Folterung und Vierteilung Damiens' am 28. März 1757 auf der Place de Grève bequem verfolgen zu können, mietet Madame de Pompadour eine Etage in einem Bürgerhaus, und sie besteht darauf, dass auch Sophie mitkommt. Als Folge des Attentats werden die Gesetze gegen aufrührerische Schriften verschärft. Dennoch kann im November der siebte Band der Enzyklopädie erscheinen.

Nach heftigen Angriffen Rousseaus gegen einen seiner Artikel in der Enzyklopädie legt d'Alembert im Januar 1758 das Amt des Herausgebers nieder.

Ein Jahr später, am 23. Januar 1759, wird die Enzyklopädie vom französischen Parlament verboten, am 4. März von der Kurie auf den Index gesetzt, und am 3. September droht der Papst jedem Leser der Enzyklopädie mit der Exkommunikation. Malesherbes hebt die Druckerlaubnis offiziell auf, genehmigt jedoch eine "Sammlung von tausend Tafeln über die Wissenschaften, die Freien Künste und die Technik", wohl wissend, dass es sich dabei um die geplanten Tafelbände der Enzyklopädie handelt. Heimlich arbeitet Diderot auch weiter an den Textbänden.

Die Pompadour erfüllt einen Wunsch de Malesherbes' und macht ihn mit Sophie bekannt. Der oberste Zensor hat zwar eine Familie auf dem Land, aber in Versailles gehört es zum guten Ton, auch mit einer Mätresse gesehen zu werden. Nachdem sie 1759 ein Paar geworden sind, erzählt Sophie ihrem Liebhaber von ihrer Kindheit in Beaulieu. Mit starrer Miene hört er ihr zu.

Weil Malesherbes den inzwischen achtjährigen Sohn seiner Mätresse adoptieren möchte, versucht er, Antoine Sartine, der noch immer rechtmäßig mit ihr verheiratet ist, zur Ehescheidung zu überreden. Der Kommissar, der nach dem Fehlschlag der Hausdurchsuchung bei Denis Diderot Verdacht geschöpft und eine Akte über seinen Vorgesetzten angelegt hatte, weigert sich, und als Malesherbes ihm droht, offenbart er ihm, dass er weiß, wer 1740 in Beaulieu als Belastungszeuge gegen Madeleine Vollant aufgetreten war. Um Sartine zu besänftigen, setzt Malesherbes sich dafür ein, dass er am 24. November 1759 zum Polizeipräfekten von Paris ernannt und zugleich in den Adelsstand erhoben wird.

Doch er kann nicht verhindern, dass Sartine Sophie in einem Brief mitteilt, wer Schuld an der Verurteilung ihrer Mutter war: Chrétien de Malesherbes de Lamoignon. Sophie kann es kaum glauben und stellt ihren Liebhaber zur Rede. Zerknirscht gibt er alles zu. Da schreit Sophie: "Sie haben den Aberglauben der Menschen missbraucht, ihre Unwissenheit, die Gesetze, alles, um meine Mutter auf den Scheiterhaufen zu bringen? Nur weil sie Ihre Gefühle verletzt hatte, Ihren Stolz, Ihre Eitelkeit ..." Malesherbes stammelt: "Ich habe versucht, das Schicksal zu korrigieren. Aber ... es war ein schrecklicher Irrtum. Niemand kann das Schicksal korrigieren ... Das Schicksal ist stärker." Sophie trennt sich von ihm. Im Oktober 1763 ersucht Malesherbes um seinen Abschied. Zur gleichen Zeit fällt sein Vater in Ungnade und demissioniert ebenfalls. Maupéou, der neue Kanzler, ernennt Sardine als Nachfolger Malesherbes zum Direktor der Hofbibliothek und obersten Zensor.

Madame de Pompadour stirbt am 15. April 1764. Aus Dankbarkeit hinterlässt sie Sophie eine Pension, die es ihr ermöglicht, für sich und Dorval ein kleines Haus in Paris zu mieten.

Inzwischen wurden die ersten Tafelbände der Enzyklopädie ausgeliefert. Le Bréton macht das Geschäft seines Lebens. Sophie ahnt, dass die Artikel in den Textbänden entschärft werden müssen, um die Enzyklopädie zu retten. Weil sie weiß, dass Diderot zu keinen Kompromissen bereit wäre, schlägt sie dem Verleger vor, die druckfertigen Artikel heimlich nochmals zu überarbeiten.

Sie musste die Vollkommenheit des Werkes zerstören, Worte der Wahrheit und der Vernunft für immer auslöschen, um das Ganze vor der Vernichtung zu bewahren. (Seite 475)

Beim Überfliegen eines seiner eigenen Artikel auf einem fertigen Druckbogen fällt Diderot 1764 auf, dass sein Text abgeändert wurde. "Sie haben mein Werk verfälscht, verstümmelt, kastriert!", wirft er Le Bréton vor, denn er verdächtigt den Verleger, aus kommerziellem Eigeninteresse gehandelt zu haben. Deprimiert wirft er die Arbeit hin.

In einem Vorort von Paris lagert Le Bréton die fertig gestellten restlichen Textbände ein, bis er 1766 alle zehn in ganz Frankreich auf einen Schlag ausliefern kann. Vorsichtshalber gibt er als Drucker die Werkstatt von Samuel Fauche & Compagnie in Neuchâtel an, damit es so aussieht, als handele es sich um einen Import aus der Schweiz. Bevor Kirche und Polizei etwas davon merken, hat er fast alle Exemplare an den Mann gebracht. Doch als er im April zwanzig Partien persönlich nach Versailles bringt, wird er verhaftet und in die Bastille gesperrt. Trotz des Konflikts wegen der heimlichen Korrekturen setzt Diderot sich für den Verleger ein, bis er wieder freigelassen wird.

Aus Rache verrät Sartine Diderot, dass Sophie die Artikel entschärft hatte. Malesherbes klärt ihn jedoch darüber auf, dass dies nicht aus Bosheit geschehen war, sondern um das Werk zu retten. "... eines habe ich in den Jahren dieses misslichen Amtes gelernt: Wenn es eine Zensur geben muss, aus welchen Gründen auch immer, ist es das Beste, sie wird durch einen Gegner der Zensur ausgeübt." Sophie habe die Enzyklopädie über ihre Liebe zu Diderot gestellt. Der will zunächst nichts davon wissen und begibt sich nach Jahren zum ersten Mal wieder ins Café "Procope", um dort eine Tasse Schokolade zu trinken. Er wird von einem jungen Mädchen bedient, das von der Bekömmlichkeit der Schokolade schwärmt und dabei ein paar Zeilen aus der Enzyklopädie zitiert, die ihr der Besitzer des Cafés vorgelesen hat. Da begreift Diderot, "dass alles, was wir tun, um gegen das Elend und die Dummheit und die Not anzukämpfen, und sei es noch so unvollkommen, doch besser ist, als gar nichts zu tun." Er eilt zu Sophie, die gerade mit ihrem Sohn auf die Postkutsche wartet, um Paris für immer zu verlassen und versöhnt sich mit ihr.

Einige Jahre nachdem der Jesuitenorden in Frankreich aufgelöst wurde, legt Radominsky sein Amt als Beichtvater der Königin nieder und zieht sich in das Kloster Jasna Góra bei Krakau zurück. Dort wartet er ungeduldig auf die neuen Bände der Enzyklopädie. Ursprünglich hatte Le Bréton acht Text- und zwei Tafelbände angekündigt. Daraus werden bis 1772 siebzehn Textbände und elf Bände mit Illustrationen. Radominsky sieht ein, dass er das Werk nicht verhindern konnte, weil das Streben der Menschen nach Wissen und Wahrheit in der Schöpfung angelegt ist wie das Wachstum der Körper.

Diderot stirbt am 31. Juli 1784.

Knapp zehn Jahre später begibt sich Sophie zum Gefängnis von Port Libre in der Vorstadt Saint-Jacques. Den Passierschein für die Fünfundsechzigjährige hat ihr mittlerweile von den Jakobinern zum Kommissar für Bildung und Erziehung ernannter Sohn Dorval besorgt. Nach einem Vierteljahrhundert stehen Sophie und Malesherbes sich erstmals wieder gegenüber. Weil er Ludwig XVI. 1793 vor dem Revolutionstribunal verteidigt hatte, wurde er im Jahr darauf wegen "Verschwörung gegen die Freiheit des französischen Volkes" zum Tod verurteilt. Er hat ausdrücklich um Sophies Besuch gebeten, damit er sie vor seiner Hinrichtung am 22. April 1794 um Vergebung bitten kann.
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BeitragThema: Die Principessa   Sa März 08, 2008 5:15 pm

Empfehlung 2: Die Principessa
1506 hatte Papst Julius II. mit dem Neubau der Peterskirche in Rom begonnen. Bramante, Raffael, Antonio da Sangallo und Michelangelo leiteten die Bauarbeiten. 1614 vollendete Carlo Maderno die 112 m breite und 44 m hohe Barockfassade.

Am 6. August 1623 wird Kardinal Maffeo Barberini als Nachfolger von Gregor XV. zum Papst gewählt (Papstwahl). Er nennt sich Urban VIII. Am Tag seiner Inthronisation ruft er den fünfundzwanzigjährigen, aus Neapel stammenden Bildhauer Giovanni Lorenzo Bernini zu sich und beauftragt ihn mit dem Bau des Hochalters in Sankt Peter, obwohl dies für den zweiundvierzig Jahre älteren Dombaumeister Carlo Maderno eine schwere Demütigung bedeutet.

Etwa zur gleichen Zeit treffen die neunzehnjährige Clarissa Whetenham und ihr zwölf Jahre älterer Tutor William in Rom ein. Da es Engländern verboten ist, nach Rom oder in die Herrschaftsgebiete des spanischen Königs in Italien zu reisen, verkleidete Clarissa sich bis zum Überschreiten der Stadtgrenze als Mann. Ihre Mutter stammt aus Italien, und sie besucht in Rom ihre dreißig Jahre alte Cousine Donna Olimpia, die Clarissa und William einlädt, bei ihr im Palazzo Pamphili an der Piazza Navona zu wohnen. Hier kann William ungestört an seinem Buch schreiben: "Reisen in Italien, unter besonderer Berücksichtigung der mannigfaltigen Verführungen und Verlockungen, welche in diesem Lande zu gewärtigen sind".

Nach einigen Wochen richtet Donna Olimpia es so ein, dass Lord Henry Wotton, der Gesandte des englischen Königs Jakob I., Clarissa bei einem Empfang entdeckt. Bücher von Dieter Wunderlich Er unternimmt zwar nichts gegen sie, aber wegen der Übertretung des Reiseverbots kann sie vorerst nicht mehr nach England zurückkehren. Darüber ist Clarissa nicht unglücklich, denn sie hat die weite Reise unter anderem deshalb unternommen, um die von Jakob gewünschte Heirat mit Lord McKinney hinauszuzögern. Mit der jetzt erst einmal verschobenen Eheschließung einer katholischen Engländerin mit einem schottischen Presbyterianer wollte der Monarch zur Versöhnung zwischen den Konfessionen und zur Annäherung zwischen England und Schottland beitragen.

Donna Olimpia ist mit Principe Pamphilio Pamphili verheiratet. Irritiert beobachtet Clarissa jedoch eines frühen Morgens, wie sie sich heimlich mit ihrem Schwager, Monsignore Giambattista Pamphili, in der Palastkapelle trifft.

Bernini ist weltgewandt, ein Frauenheld, eitel und überheblich, mehr Künstler als Bautechniker. Die Statik des Hauptaltars in Sankt Peter macht ihm Kopfzerbrechen. Dabei hat er einen Vertrag unterschrieben, durch den er zwar reich wird, wenn er den Altar fristgemäß fertigstellt, im anderen Fall aber mit ruinösen Strafzahlungen rechnen muss. Ausgerechnet ein ernster, in sich gekehrter Steinmetz des Dombaumeisters kennt die Lösung des Problems und bietet Bernini seine Hilfe an: Francesco Castelli, der ein Jahr älter ist als der Bildhauer. Sein Ehrgeiz, zum Architekten aufzusteigen, hat ihn zu diesem gegenüber Maderno illoyalen Schritt veranlasst.

Durch ihre Cousine wird Clarissa mit Bernini bekannt gemacht. Castelli lernt sie kennen, als sie sich in den römischen Bauwerken umsieht, und sie lässt sich von ihm zur Innengalerie der Kuppel in Sankt Peter hinauf führen, wo er ihr das gewaltige Rund zeigt.

"Das ist ja", flüsterte sie, "als wäre man im Himmel."

Zwei Jahre nach ihrer Ankunft in Rom erfährt Clarissa, die inzwischen "Principessa" genannt wird, aus einem Brief, dass König Jakob I. am 27. März gestorben ist und sie am Hof seines Nachfolgers Karl willkommen sei. Doch bald darauf schreibt Lord McKinney und rät ihr, vorerst besser in Rom zu bleiben, da König Karl I. beschlossen habe, ohne Parlament zu regieren und es deshalb zu Unruhen kommen könne.

Am 31. Janaur 1629 stirbt Carlo Maderno im Alter von zweiundsiebzig Jahren. Sechs Tage später ernennt Papst Urban VIII. Bernini zum Nachfolger und kurz darauf außerdem zum Architekten des Palazzo Barberini. Auf beiden Baustellen wird Castelli Berninis Assistent. Gemeinsam zeichnen sie erste Entwürfe für zwei Glockentürme neben der von Maderno errichteten Fassade der Peterskirche.

Gern denkt die Principessa daran, wie Castelli sie in Sankt Peter herumgeführt hat. Sie mag den in sich gekehrten Künstler sehr. Auf Wunsch ihrer Cousine soll er einige Räume im Palazzo Pamphili neu gestalten. Voller Freude über das Wiedersehen mit der Principessa geht er mit seinen Entwürfen hin. Doch das Hochgefühl weicht jäh einer dumpfen Frustration, als er durch einen Türspalt mitbekommt, dass Clarissa Bernini Modell sitzt und der Künstler ihr kaum verhohlen seine Liebe erklärt.

Aus Eifersucht weigert Castelli sich, weiter für Bernini zu arbeiten, verkriecht sich in sein windschiefes Haus im Vicolo dell' Agnello und nennt sich von da an Francesco Borromini.

Als Bernini der Principessa die Nachricht überbringt, dass Borromini zum Architekten der Sapienza (der späteren Universität) ernannt wurde, küsst sie ihn begeistert auf die Wange. Da nimmt Bernini sie in die Arme und küsst sie leidenschaftlich auf den Mund. Verwirrt lässt Clarissa es geschehen.

Aufgewühlt geht Bernini danach zum Haus seines durch einen Unfall verletzten Gehilfen Matteo Bonarelli, mit dessen Frau Costanza er eine Affäre hat. Da stößt er auf einen Rivalen, dessen Gesicht er in der Dunkelheit nicht erkennen kann. Sie fechten; dem Unbekannten gelingt es, zu fliehen, doch Bernini holt ihn ein – und erblickt seinen Bruder Luigi. Wütend beauftragt er ein paar Männer, Costanzas Gesicht zu zerschneiden und für immer zu entstellen.

Ende Juni 1633, eine Woche, nachdem Galileo Galilei unter dem Druck des Heiligen Offiziums der Inquisition seiner Lehre abgeschworen hat, wird der Hochaltar in Sankt Peter eingeweiht. Niemand außer den Betroffenen ahnt, dass Bernini ohne die Hilfe seines Assistenten nicht in der Lage gewesen wäre, die statischen Probleme in den Griff zu bekommen; den Triumph über die erfolgreiche Vollendung des Bauwerks kostet Bernini ganz allein aus.


Zehn Tage später machen Clarissa und William sich auf den Heimweg nach England.

Bernini leitet eine ganze Reihe von Baustellen und sonnt sich in dem Glanz, der bedeutendste Künstler in Rom zu sein. Papst Urban VIII. beauftragt ihn mit dem Bau der Glockentürme neben der Fassade von Sankt Peter, zu deren Finanzierung er eigens die Zinsen auf Staatspapiere senkt und eine zusätzliche Kopfsteuer einführt. Bernini will dafür zwar die Unterbauten verwenden, die noch von Maderno stammen, aber die Türme sollen weitaus imposanter werden. Im Rahmen einer großen Feier wird 1641 ein maßstabgetreuer Glockenhelm aus Holz auf den beinahe fertigen ersten Turm aufgesetzt. Plötzlich bilden sich an der Fassade zwei Risse.

Auch Borromini befindet sich in der Menge, die dabei zusieht. Mit den Rissen hat er aufgrund der Überlastung der Fundamente durch den viel zu schweren Turm gerechnet, doch der Anblick der Principessa überrascht ihn. Auch sie ist unter den Zuschauern. Dabei hat Borrimini sie nach wie vor in England vermutet. Tatsächlich ist Clarissa im Rahmen einer Wallfahrt für ihren kranken Ehemann, Lord McKinney, zurückgekommen. Wieder wohnt sie bei ihrer Cousine. Donna Olimpia, so kommt es Clarissa vor, hat sich sehr verändert, seit ihr Mann gestorben ist und sie ihrem Schwager, der inzwischen zum Kardinal avanciert ist, den Haushalt führt: Sie scheint ein streng religiöses Leben zu führen und auf Vergnügungen zu verzichten.

Drei Wochen nach ihrer Ankunft sucht die Principessa Bernini auf, und er stellt ihr seine Frau vor, Caterina Tezio, die er 1640 auf Geheiß des Papstes geheiratet hat. Clarissa fragt Bernini nach Francesco Castelli, aber er sagt ihr nicht, wo sie ihn finden kann. Sie befürchtet bereits, Castelli sei aus Rom fortgezogen oder gestorben. Da trifft sie ihn vor der Peterskirche, und er verrät ihr, dass er inzwischen den Namen Borromini angenommen hat.
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BeitragThema: Die Principessa Part 2   Sa März 08, 2008 5:16 pm

Mit dem Tod Urbans VIII. am 29. Juli 1644 verliert Bernini seinen wichtigsten Förderer. Am 15. September 1644 wird Donna Olimpias Schwager Giambattista Pamphili unter dem Namen Innozenz X. als neuer Papst inthronisiert. Bernini bedauert sofort, dass er gegenüber dem Kirchenfürsten zu hochnäsig war und es nicht für nötig gefunden hatte, für dessen verstorbenen Bruder Principe Pamphilio Pamphili das von der Witwe gewünschte Mausoleum zu bauen. Da wird es ihm schwer fallen, den neuen Papst und dessen wichtigste Beraterin für sich zu gewinnen.

Olimpia muss sich zwingen, ihrem einfältigen und unentschlossenen Schwager respektvoll zu begegnen und es widert sie an, ihn mit dem Mund sexuell zu befriedigen, aber sie weiß, dass er der Papst und sie lediglich eine Frau ist. Allein durch ihn kann sie Macht ausüben.

Um zu prüfen, wodurch die Risse in der Fassade von Sankt Peter entstanden sind und über Abriss oder Weiterbau der Glockentürme zu beraten, setzt der Papst eine Untersuchungskommission ein und beauftragt Monsignore Virgilio Spada mit der Leitung. Am 27. März 1645 findet die erste Sitzung statt. In der zweiten Sitzung am 9. Oktober 1645 wird Borromini – der als Gutachter in das Gremium berufen wurde – sein Urteil abgeben. Vor diesem Termin versucht die Principessa, die beiden Rivalen Bernini und Borromini zu versöhnen, damit die Glockentürme gebaut werden können. Sie redet auf Bernini ein und erklärt ihm, er sei in erster Linie ein begnadeter Bildhauer und benötige einen genialen Ingenieur wie Borromini an seiner Seite. Dann drängt sie Borromini, in seinem Gutachten nicht den Abriss des Campanile zu verlangen, sondern stattdessen seine Ideen zur Rettung des Bauvorhabens zu erläutern. Tatsächlich beginnt Borromini seine Ausführungen ohne Angriffe gegen seinen Rivalen und bleibt konstruktiv. Doch als davon gesprochen wird, dass Bernini im Fall eines Turmabrisses nach Paris gehen würde und dieser dann auch noch damit prahlt ("als Bildhauer des Königs, auf Veranlassung von Premierminister Mazarin"), schwenkt er um und beendet seinen Vortrag mit dem Urteil, der Glockenturm müsse abgerissen werden, um das Gesamtbauwerk nicht länger zu gefährden.

In seiner Verzweiflung wendet Bernini sich an Donna Olimpia und bietet ihr an, mit eigenen Mitteln auf der Piazza Navona einen prächtigen Brunnen zu errichten, wenn sie sich beim Papst dafür verwende, dass der Glockenturm von Sankt Peter nicht abgerissen werden muss.

In die entscheidende Sitzung am 23. Februar 1646 kommt Borromini zu spät und entschuldigt sich damit, dass man ihn am Petersdom aufgehalten habe, weil neue Risse aufgetreten seien. Es bestehe akute Einsturzgefahr. Unverzüglich machen sich die Herren auf den Weg und vergewissern sich an Ort und Stelle, dass Borromini nicht übertrieben hat. Drei Tage später entscheidet Innozenz X., dass der Turm abgerissen wird und Bernini sowohl die Bau- als auch die Abrisskosten zu tragen hat. Vorsichtshalber lässt der Papst das Vermögen des Baumeisters beschlagnahmen.

Borromini erhält kurz darauf den Auftrag für die Restaurierung von San Giovanni in Laterano bis zum Beginn des Jubeljahres 1650.

Weil die Principessa sich Sorgen um Bernini macht, der sich nach seiner Niederlage aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, sucht sie ihn auf. Er steht in seinem Atelier und arbeitet an einer Skulptur der heiligen Theresa, die ihre Züge trägt.

"Ich liebe Sie", sagte er und griff nach ihrer Hand. "Ich liebe Sie, wie ich noch keine andere Frau geliebt habe. Ich wollte es mir selbst nicht eingestehen, hoffte sogar, dass es vorübergehen würde, aber als ich Sie diesen Raum betreten sah, wusste ich, dass dieser Wunsch vergebens war."

Bernini zieht sie an sich, küsst sie. Von Leidenschaft überflutet, lieben sie sich. Weil er weiß, dass ein Augenblick wie dieser sich nicht wiederholen lässt und der Versuch enttäuschend sein müsste, versucht Bernini nicht, mit der Principessa eine Affäre zu beginnen.

Seine Frau Caterina wirft ihm vor, zu Hause wie ein Tiger hin- und herzulaufen. Dabei fehle es überall an Geld, sie könne nicht einmal einen Arzt für die fieberkranke Tochter Carla bezahlen. Er brauche dringend wieder einen einflussreichen Mäzen und müsse sich erneut als Künstler ins Gespräch bringen.

Daraufhin vollendet er die Skulptur der heiligen Theresa. Er stellt sie am Boden liegend dar. Verzückt blickt sie zu dem Engel auf, der sie – über ihr stehend – mit einer Lanze bedroht.

Regelmäßig erhielt Clarissa Briefe ihres Ehemanns, in denen er sie aufforderte, noch einige Zeit in Rom zu bleiben. Sie machte sich Sorgen über seine Gesundheit. Durch einen Brief ihres Vaters erfährt sie, dass Lord McKinney nicht krank gewesen war, sondern ihre Heimkehr wegen der Bürgerkriegswirren hinausgezögert hatte, denen er jetzt selbst zum Opfer fiel.

Obwohl Papst Innozenz X. einen Wettbewerb für den Brunnen auf der Piazza Navona ausschrieb, beauftragt er 1647 Borromini damit, weil ihn dessen künstlerische Idee spontan begeistert: ein Obelisk in der Mitte von allegorischen Darstellungen der vier Flüsse Donau, Ganges, Nil und Rio de la Plata.

Die Principessa, die von ihrem verstorbenen Mann, der Galileo Galilei persönlich gekannt hatte, mit der Astronomie vertraut gemacht worden ist, lädt Borromini eines Tages ein, durch ihr Fernrohr in den Himmel zu schauen. Dabei erinnern sie sich, wie sie von der Innengalerie in die Kuppel von Sankt Peter blickten. Borromini erläutert ihr seine Ideen für den Brunnen auf der Piazza Navona und schenkt ihr eine Zeichnung davon. Beglückt geht er nach Hause. Trotz der späten Stunde herrscht offenbar in der Kirche Santa Maria della Vittoria an der Porta Pia noch reges Getreibe. Erstaunt betritt Borromini das unscheinbare Bauwerk. Am Altar kommandiert Bernini einen Trupp Arbeiter herum, und als er zur Seite tritt, fällt Borrominis Blick auf die Skulptur der heiligen Theresa, die unverkennbar die Züge der Principessa trägt und sie offenbar in einem Augenblick der Lust zeigt.

Auch Donna Olimpia schaut sich Berninis Skultur der heiligen Theresa an, von der alle reden. Bei ihrem Anblick – die Heilige sieht ihrer Meinung nach wie eine Hure aus – begreift sie sofort, dass ihre Cousine mit dem Bildhauer geschlafen hat.

Um sich dafür an Clarissa zu rächen, beginnt sie gegen Borromini zu intrigieren, denn sie ahnt, dass ihre Cousine heimlich in den Baumeister verliebt ist. Sie ermutigt Bernini, ein Modell für den geplanten Brunnen auf der Piazza Navona zu entwerfen: "Ich könnte mir sehr schön einen Obelisken in der Mitte vorstellen, und darum die vier Weltströme in allegorischer Darstellung". Dann richtet sie es so ein, dass der Blick des Papstes auf Berninis in Silber gegossenes Modell fällt. Innozenz X. ist so angetan von dem Modell, dass er nun Bernini statt Borromini mit der Ausführung des Bauwerks beauftragt.
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BeitragThema: Die Principessa Part 3   Sa März 08, 2008 5:16 pm

Als Monsignore Spada Borromini darüber informiert, legt dieser die Arbeit im Lateran nieder und lässt sich auch nicht dazu überreden, seine Lösung des Problems der ausreichenden Wasserversorgung für den geplanten Brunnen preiszugeben. Als der Steinmetz Marcantonio Bussone einen halb fertigen Cherub zerbricht und dabei aufmüpfig grinst, verlagert sich Borrominis Wut auf den Gehilfen: Er stürzt sich auf ihn und erschlägt ihn mit einem Hammer.

Um Borromini zur Weiterarbeit im Lateran zu bewegen, sucht die Principessa ihn auf, doch er fährt sie unwirsch an: "Was wünschen Sie? Hier werden keine Marmorporträts gemeißelt." Erst als Monsignore Virgilio Spada bewusst das Gerücht streut, der Papst werde wohl Bernini als Nachfolger Borrominis mit den Bauarbeiten im Lateran beauftragen, ändert Borromini seine Meinung.

Aus Berechnung umschmeichelt Bernini Donna Olimpia. Er ahnt nicht, dass sie längst bereit wäre, sich ihm hinzugeben. Als sie die Augen schließt und einen Kuss erwartet, lenkt er sie ab, indem er ihr gesteht, dass er nicht wisse, wie er den Brunnen auf der Piazza Navona mit ausreichend Wasser speisen könne. Borromini habe zwar Pläne dafür, behalte diese jedoch für sich. Donna Olimpia überlegt nicht lang: Dann müssen diese Pläne eben besorgt, kopiert und unbemerkt zurückgelegt werden, und zwar mit Hilfe der Nachbarin, die Borrominis Haushalt versorgt.

Durch Zufall beobachtet die Principessa, wie ihre Cousine einen Mönch empfängt und ihm sehr viel Geld gibt. Offensichtlich erpresst er sie. Als Donna Olimpia ihm mit einer Anzeige droht, lacht er sie aus: Er hat bei Kardinal Barberini einen versiegelten Brief über ihr gemeinsames Geheimnis hinterlegt.

"Ja, glauben Sie wahrhaftig, ich würde mich Ihnen schutzlos ausliefern? Einer Frau, die ihren Mann vergiftet hat, um mit dem Papst das Bett zu teilen?"

Bei dieser Anschuldigung scheint es sich nicht um leeres Gerede zu handeln, denn Donna Olimpia entgegnet dem Mönch, er habe ihr doch das Gift besorgt.

Tatsächlich hat Olimpia früh gelernt, sich im Leben zu behaupten. Als ihr Beichtvater sie im Auftrag ihrer Eltern immer wieder drängte, Nonne zu werden, beschuldigte sie ihn eines Angriffs auf ihre Unschuld. Er verlor alles, und sie brauchte nicht ins Kloster zu gehen.

Die Principessa beginnt, sich vor ihrer Cousine zu fürchten, aber nach England kann sie nicht zurückkehren, denn aus einem Brief Williams hat sie gerade erfahren, dass ihre Eltern einer Typhusepidemie zum Opfer gefallen sind. In ihrer Not vertraut sie sich Bernini an. Der verspricht, sie nach der Fertigstellung des Brunnens in Sicherheit zu bringen und mit ihr nach Paris zu reisen.

Als die Principessa einen Augenblick mit Innozenz X. allein ist, nützt sie die Gelegenheit, ihm klarzumachen, dass nicht er, sondern seine Schwägerin Rom beherrscht. Damit erreicht sie, dass er gegen Olimpias Willen Borromini wegen des Totschlags nicht bestraft und für seine Verdienste um die rechtzeitige Fertigstellung der Laterankirche zum Ritter (Cavaliere di Gesù) schlagen lässt.

1651 wird Berninis Brunnen auf der Piazza Navona eingeweiht. Borromini beobachtet die Feier von einer benachbarten Baustelle aus. Er weiß, dass Berninis technische Kenntnisse nicht ausreichen, um das Problem der Wasserzufuhr zu lösen. Um so verwunderter ist er, als der Brunnen zu sprudeln beginnt. Wer hat Bernini die Lösung verraten?

Luigi Bernini verrät Donna Olimpia, dass die Principessa mit Hilfe seines Bruders ihre Flucht aus Rom vorbereitet. "Die Hure muss weg!", beschließt sie daraufhin, und als Clarissa – wie mit Bernini verabredet – eine Kutsche besteigt, wird sie gegen ihren Willen in ein Kloster außerhalb von Rom gebracht.

Innozenz X. stirbt am 7. Januar 1655. Sein Nachfolger Fabio Chigi besteigt als Alexander VII. am 18. April den Thron. Noch am selben Tag beauftragt er Bernini mit der Vollendung des Petersplatzes und ernennt ihn zum päpstlichen Hausarchitekten. Donna Olimpia lässt er wegen Meineids, Korruption und Veruntreuung von Staatsgeldern anklagen und verbannt sie nach Viterbo.

Es heißt, die Principessa sei nach England zurückgekehrt und habe dort ein zweites Mal geheiratet. Tatsächlich lebt sie seit vier Jahren zwangsweise als Schwester Chiara in einem Kloster, zusammen mit Mädchen, die von ihren Familien abgeschoben wurden. Der neue Papst lässt das verrufene Kloster durch die Schweizer Garde räumen. Clarissa sucht bei Monsignore Virgilio Spada Zuflucht. Von ihm erfährt sie, dass sie durch Überweisungen aus England bei einer Bank in Rom ein beachtliches Vermögen besitzt. Das Geld erlaubt es ihr, einen Künstler- und Gelehrtenkreis zu bilden. Auch Bernini und Borromini lädt sie zur Teilnahme an, denn sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, die beiden durch sie entzweiten Genies zu versöhnen.

1656 bricht in Rom die Pest aus. Auch die Principessa wird schwer krank, und es sieht so aus, als würde sie der Seuche erliegen. Borromini besucht sie. Dabei bemerkt er, dass einer der Hunde nach dem Verzehr eines Pfirsichs offenbar von Krämpfen gepeinigt wird. Versucht jemand, die Principessa zu vergiften? Das Obst stammt angeblich von Bernini. Tatsächlich hatte Donna Olimpia ihren Mittäter Don Angelo trotz der Epidemie nach Rom geschickt, und dieser bestach einen Obsthändler, die Früchte zu vergiften und sie der Principessa mit einem Gruß von Bernini liefern zu lassen. Nach Clarissas Tod hätte Donna Olimpia den Baumeister des Mordes bezichtigt und sich auf diese Weise dafür gerächt, dass er nicht auf ihr Liebeswerben einging.

Um sich über den Erfolg der Aktion persönlich zu vergewissern, schleicht Donna Olimpia sich trotz ihrer Verbannung heimlich nach Rom. Die Principessa befindet sich auf dem Weg zur Genesung. Sie ist bereit, auf eine Anzeige zu verzichten, unter der Bedingung, dass ihre Cousine – die noch immer über eines der größten Vermögen in Rom verfügt – Borromini das erforderliche Geld für einen Ausbau der Piazza Navona zur Verfügung stellt. Olimpia unterschreibt zwar einen entsprechenden Vertrag, aber sie denkt gar nicht daran, ihn zu erfüllen. Als sie wieder in der Kutsche sitzt, spürt sie unvermittelt eine Schwellung in der Leiste. Panisch vor Angst lässt sie sich zum Haus ihres Sohnes Camillo fahren. Dort wird sie von Passanten erkannt, die sie als "Hure von Papst Innozenz" beschimpfen und mit Steinen bewerfen. Ihre Schwiegertochter hindert den unentschlossenen Camillo daran, seiner Mutter die Haustür zu öffnen. Olimpia wird festgenommen und ins Pesthaus gebracht. Dort stirbt sie an der Seuche – wie mehr als zehntausend andere Menschen. Erst im Advent 1656 klingt die Pest ab, und die Stadttore werden wieder geöffnet.

Verzweifelt überlegt die Principessa, wie sie Borrominis Ideen für die Nachwelt erhalten kann, obwohl Bernini allen Ruhm für sich beansprucht. Sie weiß einen Weg, aber um ihn zu gehen, muss sie bereit sein, Schuld und Verdammnis auf sich zu laden und ihren Freund für immer zu verlieren. In dieser Situation erinnert sie sich daran, wie Borromini einmal zu ihr sagte, das Werk zähle mehr als der Mensch.

König Ludwig XIV. von Frankreich hat die bereits von seinem Vorgänger ausgesprochene Einladung an Bernini nach Paris durch ein persönliches Schreiben erneuert. Zwei Tage bevor der berühmte Baumeister aufbrechen will, bringt die Principessa ihm die Entwürfe Borrominis für einen Ausbau der Piazza Navona. Bernini kann es nicht fassen, aber sie erklärt ihm, dass Borrominis brillante Ideen nur durch ihn verwirklicht werden könnten.

"Tun Sie es anstelle des Mannes, der den Entwurf gezeichnet hat. Ihm fehlen die Mittel und die Möglichkeiten, ihn auszuführen."

Bernini zögert lange, aber er kann der Versuchung nicht widerstehen, sich die Pläne genauer anzusehen und er begreift rasch, dass es sich um eine geniale Idee handelt. Er überträgt sie auf die Piazza di San Pietro, verschiebt seine Reise und bevor er im April 1665 für einige Zeit nach Paris fährt, ordnet er den Bau der Kolonnaden an, die den 340 m mal 240 m großen ovalen Platz umschließen sollen.

Die Fertigstellung der Kolonnaden erlebt Alexander VII. nicht mehr: Er stirbt am 22. Mai 1667. Sein Nachfolger, Papst Klemens IX., weiht den Petersplatz am 2. August 1667 feierlich ein.

Am Abend schleicht Borromini sich auf den Platz, um das Werk seines Rivalen heimlich zu begutachten. Verblüfft stellt er fest, dass es sich um die Verwirklichung seiner eigenen Ideen handelt. Clarissa muss ihn verraten haben! Nur sie kannte die Entwürfe. Zu Hause facht er das Kaminfeuer an, tobt und verbrennt seine Pläne, Entwürfe und Notizen, bis ihn sein Neffe Bernardo Castelli, der sich um ihn kümmert, in einer Kammer im Obergeschoß einsperrt und zur Principessa eilt. Borromini sucht vergeblich nach einem Messer oder einer Pistole, um sich umzubringen. Da fällt sein Blick auf das Schwert an der Wand, mit dem er zum Ritter geschlagen wurde. Als Bernardo mit der Principessa zurückkommt, hören sie aus dem Obergeschoss einen dumpfen Aufprall und einen Schrei, als ob man ein Tier schlachten würde. Clarissa rennt die Treppe hinauf und schließt die Kammer auf. Borromini hat sich in das Schwert gestürzt. Alles ist voll Blut. Bernardo hilft der Principessa, die Klinge aus Borrominis Brust zu ziehen und ihn aufs Bett zu legen.

Er kommt zu sich und flüstert: "Ich ... ich war auf der Piazza ... Ich habe das Wunder gesehen ... Es ist ... vollkommen." Warum sie Bernini den Entwurf gegeben habe, fragt er die Principessa, und sie antwortet: "Es war Ihr kühnster Entwurf, das Beste, was Sie je erfunden haben. Die Welt sollte diesen Platz sehen, um jeden Preis." Sie habe es aus Liebe getan, fügt sie hinzu, bevor er stirbt.

Als Bernini hört, was geschehen ist, bedauert er Clarissa.

"Das Schicksal hatte einen fürchterlichen Auftrag für Sie, Principessa. Die meisten Menschen wären davor zurückgeschreckt, doch Sie haben ihn angenommen. Ohne Sie hätte es die Piazza nie gegeben, ohne Sie hätte Rom ein anderes Gesicht. Die Stadt und die Kunst sind Ihnen zu ewigem Dank verpflichtet. Aber das wissen nur wie zwei. Es ist unser Geheimnis."
"Es liegt an Ihnen, Cavaliere, ob die Welt davon erfährt. Wollen sie ihr nicht sagen, wer die Piazza entworfen hat?"
Lorenzo schüttelte den Kopf. "Ich glaube nicht, dass ich das über mich bringe. Die Menschen haben mich in jungen Jahren zu sehr gefeiert, als dass ich im Alter auf ihr Lob verzichten könnte."

Bald darauf verlässt Clarissa Rom und reist über Pisa, Florenz und Padua nach Norden.
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BeitragThema: sorry   Sa März 08, 2008 5:20 pm

Ich hoffe das war jetzt nich zuviel aber man könnte noch weit mehr über dies e Bücher posten , hier noch die Buch-Details von Amazon.de



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